From 33613a85afc4b1481367fbe92a17ee59c240250b Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Sven Eisenhauer Date: Fri, 10 Nov 2023 15:11:48 +0100 Subject: add new repo --- .../hjp5/html/k100009.html | 518 +++++++++++++++++++++ 1 file changed, 518 insertions(+) create mode 100644 Master/Reference Architectures and Patterns/hjp5/html/k100009.html (limited to 'Master/Reference Architectures and Patterns/hjp5/html/k100009.html') diff --git a/Master/Reference Architectures and Patterns/hjp5/html/k100009.html b/Master/Reference Architectures and Patterns/hjp5/html/k100009.html new file mode 100644 index 0000000..01e645e --- /dev/null +++ b/Master/Reference Architectures and Patterns/hjp5/html/k100009.html @@ -0,0 +1,518 @@ + + + +Handbuch der Java-Programmierung, 5. Auflage + + + + + + + + + +
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1.1 Historie

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+Als offizieller Geburtstag der Programmiersprache Java gilt der 23. +Mai 1995. + +

+Mit dem Erscheinen dieses Buchs wird Java also stattliche zwölf +Jahre alt sein. Nach einer wechselhaften Vorgeschichte, dem darauf +folgenden Enthusiasmus und fast ebenso vielen technischen Schwierigkeiten +wie Errungenschaften hat sich Java heute vollständig etabliert. +Nach wie vor verzeichnet die Sprache ein steigendes Interesse in breiten +Kreisen der Entwicklergemeinschaft und wird in Kürze C++ als +am häufigsten genutzte Programmiersprache abgelöst haben. +Bevor wir uns in den nachfolgenden Kapiteln mit den technischen Details +der Sprache beschäftigen, wollen wir einen kurzen Blick auf die +Entstehungsgeschichte von Java werfen. + +

+Nach einschlägigen Berichten fing alles mit einer Mail des damals +25jährigen Programmierers Patrick Naughton +an den SUN-Chef Scott McNealy an. Naughton +hatte angekündigt, das Unternehmen zu verlassen, um zu Next +Computer, Inc. zu wechseln. Er war der Meinung, dass manches bei +SUN nicht gut funktionierte, und die weitaus moderneren Technologien +von Next reizten ihn sehr. McNealy, der mit Naughton zusammen Eishockey +spielte, forderte ihn auf, seine Kritik samt möglicher Lösungsvorschläge +niederzuschreiben, ganz gleich, wie radikal sie auch sein mögen. + +

+Naughtons Mail hat seine Wirkung nicht verfehlt! In einer für +SUN schwierigen Periode mit internen Diskussionen um den Kurs des +Unternehmens und seiner Produkte rannte Naughton offene Türen +ein. Seine Hauptkritikpunkte betrafen die nicht zeitgemäßen +grafischen Oberflächen, die unübersehbare Anzahl an Programmierwerkzeugen, +die hohen Kosten der Workstations und die komplizierte Anwendung der +Programme. Kurz, er warf SUN vor, auf dem besten Wege zu sein, sich +mehr und mehr von seinen potentiellen Kunden und Anwendern zu entfernen. +Er forderte Hard- und Software, die nicht nur von Akademikern und +hochspezialisierten Profis, sondern von normalen Menschen angewendet +werden konnte. + +

+Naughtons Klagen wurden erhört, und innerhalb weniger Tage wurde +ein Projekt aufgesetzt, dessen Ziel es sein sollte, die nächsten +großen Trends der Computer- und Softwareindustrie aufzuspüren. +Naughton zog seine angedrohte Kündigung zurück und begann +1991 zusammen mit James Gosling und Mike +Sheridan die Arbeit an einem geheimen, zunächst +für ein Jahr finanzierten und außerhalb des regulären +Unternehmens angesiedelten Vorhabens, das später den Namen Green-Projekt +erhielt. + +

+Nach anfänglichen Schwierigkeiten, seine eigene Aufgabe zu definieren, +entschied sich das Team dafür, einen Prototyp zur Steuerung und +Integration von Geräten zu bauen, wie sie in normalen Haushalten +in großer Zahl verwendet wurden (Toaster, Videorecorder, Fernseher +etc.). Bestandteile dieses Projekts waren ein Betriebssystem (Green-OS), +ein portabler Interpreter (Oak), ein Grafiksubsystem +und diverse Hardwarekomponenten. Bis Mitte 1992 entwickelte Naughton +mit seinen Kollegen ein Gerät, das etwa heutigen Palm-Computern +glich und mit einer tastaturlosen grafischen Oberfläche per drahtloser +Datenübertragung zur Bedienung unterschiedlichster Geräte +der Konsumelektronik verwendet werden konnte. + +

+Das als »*7« (Star Seven) +bezeichnete Gerät wurde im Herbst 1992 firmenintern präsentiert. +Diese Vorstellung konnte einige der Manager - unter ihnen SUN-Mitbegründer +Bill Joy und Scott McNealy - so beeindrucken, +dass im November 1992 aus dem lockeren Team die Firma First Person, +Inc. gegründet wurde. Mit zuletzt +etwa 70 Mitarbeitern versuchte das junge Unternehmen, den Prototypen +zur Serienreife zu bringen und zu vermarkten. Trotz großer Anstrengungen +scheiterten aber alle Versuche, Verträge und Partnerschaften +zur kommerziellen Verwendung von Star Seven unter Dach und Fach zu +bringen. Nach vielen Mühen wurde die Arbeit von First Person, +Inc. im April 1994 praktisch beendet. + +

+Fast wäre die Geschichte von Java nun bereits zu Ende gewesen, +ehe sie richtig begonnen hatte. + +

+Bei aller Euphorie über interaktives Fernsehen und Heimelektronik +hatten die Entwickler nämlich eine andere, sehr viel realere +Entwicklung übersehen. Mittlerweile hatte das World Wide Web +eine kritische Größe erreicht! Nachdem NCSA Mosaic +als erster grafischer Web-Browser im April 1993 verfügbar war, +konnte jedermann ansprechend aufbereitete Informationen im Internet +ansehen und auf einfache Weise zwischen unterschiedlichen Diensten, +Medien und Anbietern wechseln. Vor allem Bill Joy, der sich gelegentlich +über den Stand des Green-Projekts informierte, erkannte das Potenzial +des World Wide Web und die Bedeutung einer plattformunabhängigen +Programmiersprache, mit der neben textuellen Inhalten auch Programme +transportiert und ohne Installations- oder Portierungsaufwand auf +einem beliebigen Zielrechner ausgeführt werden konnten. + +

+In der Annahme, damit die Bedeutung des Internet zu stärken und +auf diese Weise indirekte Verkaufsförderung für SUN-Produkte +zu betreiben, beauftragte Joy die Kollegen Gosling und Naughton mit +der Entwicklung einer »Killer-Applikation«, die dieses Potenzial +offenlegen sollte. Während *7 dabei keine Rolle mehr spielte, +wurde die Programmiersprache Oak zur Entwicklung einer ganz neuen +Art von Programm verwendet. Im Herbst 1994 wurde mit ihrer Hilfe die +erste Version von WebRunner fertiggestellt, +einem Web-Browser, der neben der Darstellung von HTML-Seiten auch +kleine Java-Programme, Applets genannt, aus dem World Wide +Web laden und innerhalb des Browserfensters ausführen konnte. + +

+Zu diesem Zeitpunkt war Oak, das später in Java umbenannt wurde, +bereits eine recht stabile Sprache. Sie wurde nicht nur dazu benutzt, +WebRunner zu entwickeln, sondern von Arthur van Hoff, +der Ende 1993 zum Team kam, zur Entwicklung des Java-Compilers selbst +verwendet. Ende 1994 stand WebRunner einer kleinen Anzahl von Entwicklern +zum Test zur Verfügung und konnte nicht nur diese, sondern auch +die Verantwortlichen bei SUN überzeugen. Das Programm wurde nach +der Umbenennung in HotJava in den nächsten +Monaten stabilisiert und konnte im Mai auf der SunWorld '95 +der Öffentlichkeit vorgestellt werden. + +

+Trotz des technologischen Durchbruchs und großen Presserummels +mochten sich zunächst nur wenige Anwender mit HotJava anfreunden. +Der überlegene Netscape Navigator war zu diesem Zeitpunkt bereits +zu stark verbreitet. So war es ein großes Glück, dass Netscape +sich entschied, die Java-Technologie von SUN zu lizenzieren und in +der Version 2.0 des Navigators, die im Dezember 1995 auf den Markt +kam, einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. Die Ankündigung +dieser Fortentwicklung, die Netscape-Gründer Marc Andreessen +am 23. Mai 1995 zusammen mit der öffentlichen Vorstellung von +Java vortrug, wird von SUN als offizielle Geburtsstunde von Java angesehen. + +

+Nach einigen Monaten des Betatests für Java und HotJava wurde +im Januar 1996 das JDK 1.0, die erste +Version des Java Development Kit, freigegeben. +Bereits während der Betatests wurden hunderte von frei verfügbaren +Applets geschrieben, die schon früh einen Eindruck von den Möglichkeiten +der Sprache vermittelten. Kurz vor der Fertigstellung des JDK 1.0 +wurde aus den verbliebenen Mitgliedern des Green-Teams die Firma JavaSoft +gegründet, die von SUN mit der Weiterentwicklung von Java betraut +wurde. Unter ihrem Präsidenten Alan Baratz +entwickelte und pflegte JavaSoft das JDK und seine Werkzeuge und sollte +fortan maßgeblich den weiteren Weg von Java bestimmen. + +

+Tatsächlich stand die Entwicklung nun keinesfalls still, sondern +nahm an Dynamik noch zu. In den folgenden Monaten bildeten sich eine +Reihe von strategischen Allianzen zwischen SUN bzw. JavaSoft und vielen +Großen der Branche. So wurde beispielsweise die im Mai 1996 +angekündigte Komponentenarchitektur JavaBeans +von so prominenten Firmen wie Borland, Lotus, +Oracle, IBM, Netscape +und Symantec unterstützt. + +

+Im Laufe der nächsten Monate kam der »Hype« dann richtig +in Fahrt, und Java wurde mit Lorbeeren überhäuft. In welcher +Weise das Interesse an Java anstieg, mögen einige Kennzahlen +verdeutlichen: +

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+Nach einer Reihe von Ankündigungen im ersten Halbjahr wurden +bis Ende 1996 zahlreiche Neuerungen vorgestellt. Unter ihnen waren +die Datenbank-Spezifikation JDBC, die Komponentenarchitektur +Beans, das JavaCard API, HotJava Views, +die »100 % Pure Java Initiative« +und eine Reihe weiterer APIs. Zusätzlich kamen die ersten integrierten +Entwicklungssysteme, wie Cafe und Visual +Cafe von Symantec oder J++ +von Microsoft, auf den Markt. + +

+Im Dezember 1996 wurde die Version 1.1 des Java Development Kit angekündigt. +Sie sollte eine Reihe von Bugs der Vorgängerversion beheben und +weitere Funktionalitäten hinzufügen. Im Februar 1997 standen +die ersten Betaversionen des JDK 1.1 zur Verfügung und konnten +von interessierten Entwicklern heruntergeladen werden. Im März +1997 wurde dann HotJava 1.0 herausgegeben (alle vorigen Versionen +hatten lediglich Betacharakter), und auch das Java-Betriebssystem +JavaOS 1.0 wurde in diesem Monat der +Öffentlichkeit vorgestellt. + +

+Etwa zeitgleich konnte man auf der Cebit 1997 den ersten Prototypen +der JavaStation, einer diskettenlosen +Workstation, die ausschließlich auf Java basierte, bewundern. +Mit der Ankündigung von Java-Prozessoren wie dem PicoJava +eröffnete SUN die Perspektive, dass Java-Programme mittelfristig +ebenso schnell laufen werden wie kompilierter C- oder C++-Code. Das +für Java-Entwickler herausragende Ereignis des Jahres war die +JavaOne im April 1997, die erste Konferenz, +die sich ausschließlich um Java drehte. Sie brachte eine Vielzahl +von Ankündigungen, Prototypen und neuen Produkten hervor. Die +JavaOne findet seither jedes Frühjahr in San Francisco statt +und ist nach wie vor eines der wichtigsten Ereignisse der weltweiten +Java-Gemeinde. + +

+Die folgenden Monate standen für viele Entwickler und Tool-Hersteller +im Zeichen der Umstellung auf die Version 1.1 des JDK. Zwar gab es +bereits Ende 1997 mehr als ein Dutzend integrierte Entwicklungsumgebungen, +doch Support für die Version 1.1 war längst nicht überall +vorhanden. Auch die Browser-Hersteller taten sich schwer und stellten +erst zum Jahreswechsel 1997/98 mit den 4er Versionen ihrer Browser +erste Implementierungen des JDK 1.1 vor. Bis diese einigermaßen +stabil waren, vergingen weitere Monate. + +

+Während sich 1998 die meisten Entwickler mit der Version 1.1 +beschäftigten, wurde bei SUN bereits am neuen JDK 1.2 gearbeitet. +Im Frühjahr 1998 stand dessen erste öffentliche Version, +das JDK 1.2 Beta 2, der Öffentlichkeit zur Verfügung. Wichtige +Neuerungen waren die Java Foundation Classes +mit dem Swing Toolset, dem Java 2D +API und dem Drag-and-Drop API, +das Collection-API und das Extension +Framework. Daneben gab es viele weitere +Verbesserungen bestehender Pakete. Nach zwei weiteren Betas, die bis +zum Juli erschienen, brachte SUN im Oktober und November die »Release +Candidates« 1 und 2 heraus. Anfang Dezember 1998 wurde dann schließlich +die erste finale Version des JDK 1.2 zur Verfügung gestellt und +im Januar 1999 in Java 2 Platform umbenannt. + +

+Mit der Version 1.2 hatte sich der Anspruch SUNs an das JDK geändert. +Während es zuvor darum ging, möglichst viele Features in +das JDK einzubauen, stand seit dem JDK 1.2 offiziell die Stabilität +und Performance im Vordergrund. Ersteres sollte mit einem rigorosen +Qualitätssicherungsprogramm erreicht werden, letzteres durch +Verbesserung der virtuellen Maschine. Im März 1999 wurde der +lange angekündigte HotSpot-Compiler +ausgeliefert. Zwar brachte er mit seiner adaptiven Compilertechnologie, +bei der interpretierte Programmteile zur Ausführungszeit genau +dann in direkt ausführbaren Maschinencode übersetzt werden, +wenn sie wesentlich zur Laufzeit des Programms beitragen, für +einige Anwendungen Geschwindigkeitsvorteile. In vielen Fällen +reichte den Entwicklern und Anwendern die Performance der Java-Programme +jedoch nicht aus. Insbesondere das Swing-Toolkit, die neue Grafikplattform, +galt auf durchschnittlichen Arbeitsplätzen als zu träge +und trug sehr zu dem Ruf Javas bei, für »echte« Anwendungen +zu langsam zu sein. + +

+Zudem wurde das JDK 1.2 nur zögernd von der Industrie angenommen. +Zwar gab es auf dem PC bald 1.2-kompatible Entwicklungswerkzeuge, +doch auf anderen Betriebssystemen (Macintosh, UNIX, LINUX) blieben +die Portierungen bei den 1.1er Versionen stehen. Die großen +Browser-Hersteller haben bis heute keine brauchbaren 1.2er Java-Implementierungen +vorgestellt. Dies mag einerseits durch technische Schwierigkeiten +begründet gewesen sein, lag aber auch an der damals kaum akzeptierten +Community Source Licence von SUN. Mit +dieser sollte ein offener Java-Standard etabliert werden, ohne dass +SUN die Kontrolle über die Weiterentwicklung von Java verlor. +Durch diese Vereinbarung waren Unternehmen, die Weiterentwicklungen +des JDK vornahmen, unter Umständen dazu verpflichtet, diese offenzulegen +bzw. unentgeltlich an SUN zu übergeben. + +

+Nach den fehlerbereinigten Versionen 1.2.1 und 1.2.2 des JDK betrieb +SUN die Weiterentwicklung des JDK unter dem Codenamen Kestrel. +Mit einem neuen Garbage Collector, verbessertem Speichermanagement +und einem neuen HotSpot-Compiler sollte diese Version stabiler und +performanter werden als alle vorherigen. Viele kleine Verbesserungen +sollten zudem bei der Swing-Oberfläche deutliche Geschwindigkeitsgewinne +bringen. Die intensive Arbeit an dieser Version äußerte +sich auch darin, dass alle Bugfixes des JDK 1.2.2 auf die neue Version +verschoben wurden. + +

+Im August 1999 gab es dann die erste öffentliche Betaversion +des JDK 1.3. Tatsächlich schienen sich die Versprechen zu erfüllen. +Bereits das Beta lief recht stabil und brachte bei der grafischen +Oberfläche deutliche Geschwindigkeitsgewinne. Durch eine geänderte +Initialisierung der virtuellen Maschine reduzierte sich die Startzeit +von Java-Applikationen deutlich, und mit dem neuentwickelten Compiler +gab es große Verbesserungen bei den Turnaround-Zeiten. Auch +subjektiv lieferte das JDK 1.3 den Eindruck erheblich besserer Performance. +Nach drei weiteren Vorabversionen wurde im Mai 2000 die endgültige +Version des JDK 1.3 für Windows ausgeliefert. Versionen für +andere Betriebssysteme (namentlich SOLARIS und LINUX) sollten etwa +drei Monate später folgen. Selbst Apple, dessen Java-Implementierungen +lange Zeit bei der Version 1.1 stehen geblieben waren, liefert mit +dem Mac OS X mittlerweile ein aktuelles JDK als integralen Bestandteil +des Betriebssystems aus. + +

+2001 folgte dann das Bug-Fix-Release 1.3.1, und nach einigen Betas +und einem »Release Candidate« brachte SUN Mitte Februar +2002 schließlich das JDK 1.4 heraus - diesmal zeitgleich für +alle unterstützen Plattformen. Neben vielen Detailverbesserungen +und umfangreichen Erweiterungen der Klassenbibliotheken sollte das +JDK 1.4 weitere Performance-Verbesserungen bringen. So wurden unter +anderem das zuvor schlechte Laufzeitverhalten von Swing-Anwendungen +auf UNIX-Betriebssystemen beseitigt. Zu den wichtigsten funktionalen +Erweiterungen der Version 1.4 zählten die assert-Anweisung, +Unterstützung für XML, neue Bibliotheken +für schnelle I/O-Zugriffe, Benutzer-Voreinstellungen, Logging +oder reguläre Ausdrücke sowie viele Erweiterungen bestehender +Bibliotheken. Zudem gab es Unterstützung für Solaris 64-Bit-Systeme +und IPv6-Support. Die folgende Java 5 Version brachte neue Sprachkonstrukte +wie typisierte Klassen, eine neue for-Schleife und das Autoboxing +von Basistypen. Sie erlauben es, den Quellcode von Javaklassen einfacher +und dennoch klarer zu schreiben und können dazu beitragen, beispielsweise +falsche Casts zu vermeiden. + +

+Den derzeitigen Höhepunkt der Java-Entwicklung bildet die aktuelle +Java-Version 6, die ursprünglich unter dem Codenamen Mustang +entwickelt wurde. Kurz nach Erscheinen der ersten Betaversion teilte +Ray Gans - einer der führenden Java Entwickler bei Sun +- in seinem Blog unter http://weblogs.java.net/blog/ray_gans/ +jedoch mit, dass Sun in Zukunft auf Codenamen verzichten und stattdessen +nur noch die Versionsnummern verwenden wird. + +

+Der große Knall wurde jedoch erst kurz vor dem Release des JDK +6 publik gemacht: Am 13. November 2006 gab Sun bekannt, dass im Laufe +des Jahres 2007 die komplette Java-Technologie Stück für +Stück unter die populäre General Public License +(GPL) gestellt und damit jedermann zugänglich gemacht werden +soll. Java ist zwar seit der ersten Version kostenlos und kann von +jedem über die Homepage von Sun heruntergeladen werden, allerdings +war das »Verteilen« des Programms an Auflagen gebunden. +Außerdem lief der Gedanke, dass Java zwar kostenlos aber eben +nicht frei verfügbar ist, der Intention vieler Open Source Projekte, +Linux-Distributionen und Anbietern von Java-Anwendungen zuwider, so +dass im Laufe der Jahre eine stattliche Anzahl von freien Java-Implementierungen +entstanden. Zu den bedeutendsten »Nachimplementierungen« +zählen: +

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+Mehr Informationen zum Thema Java und Open Source finden sich zum +Beispiel unter http://www.sun.com/software/opensource/java/faq.jsp. + +

+Die sechste Version von Java wurde am 11. Dezember 2006 veröffentlicht +und enthält eine vollständig überarbeitete und vereinheitlichte +Webservice-API, eine komplett in Java geschriebene Datenbank und einen +JavaScript-Interpreter. Außerdem wurde viele Fehler behoben +und Java 6 ist nochmals einen »Tick« schneller als die vorangegangenen +Versionen. + +

+Das Engagement der Softwareentwickler zu den aktuellen Java-Versionen +ist beträchtlich. Neben vielen Partnerschaften, bei denen Spezialisten +aus der ganzen Welt durch die Mitarbeit im Java Community Process +(JCP) zu den Neuerungen und Erweiterungen +der aktuellen Versionen beigetragen haben, gibt es mittlerweile auch +eine große Zahl an Applikationen, die in Java geschrieben wurden +oder bei deren Entwicklung Java eine wichtige Rolle gespielt hat. +Auch bei der Entwicklung von Server-Applikationen und Web-Services +spielt Java mittlerweile in der ersten Liga. So läßt sich +feststellen, dass Java nach der ersten (Applet-)Euphorie der Versionen +1.0 und 1.1 und einer dezenten Zurückhaltung während der +1.2er Versionen mit dem JDK 1.3 auch bei den meisten Skeptikern den +Durchbruch geschafft hat. Dieser hat sich mit den JDKs 1.4 und 5 gefestigt +und wird - aller Voraussicht nach - auch in den kommenden Versionen +weiter anhalten. +

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+Zwischen den Versionen 1.2 und 1.4 firmierten alle Java-Versionen +unter dem offiziellen Oberbegriff Java 2 Platform - im Unterschied +zu der zwar niemals explizit so bezeichneten, aber doch wohl gemeinten +»Java 1 Platform«, die aus den Versionen 1.0 und 1.1 bestand. +Parallel dazu wurden die Entwicklungssysteme dann nicht mehr JDK, +sondern Java 2 SDK genannt (SDK steht +für Software Development Kit). Mit dem folgenden Release +wurde bezüglich der Namensgebung erneut eine kleine Kurskorrektur +vorgenommen. Einerseits wurde die Versionsnummer 1.5 während +der Betaphase auf 5.0 erhöht (um - laut SUN-Website - das hohe +Maß an Reife, Stabilität, Sicherheit und Skalierbarkeit +der aktuellen Version zu dokumentieren). Andererseits wurde der Begriff +JDK rehabilitiert und darf nun auch »offiziell« wieder +verwendet werden (Begründung: »...due to significant popularity +within the Java developer community...«). + +

+Seit der fünften Version setzt sich die - aus Sicht des Marketings +besser verwendbare - ganzzahlige Namenskonvention durch, bei der neue +Java-Version mit der nachfolgenden natürlichen Zahl gekennzeichnet +werden, während die »Zwischenversionen« kleineren Verbesserungen +und Bugfixes vorbehalten bleiben. Dieses Schema wurde in alle Java-Editionen +übernommen, die sich vor allem in Art und Umfang der enthaltenen +Bibliotheken unterscheiden. Ein Java-Entwickler kann sich zwischen +diesen Auslieferungen entscheiden: +

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  • Die Java 6 Standard Edition, von +der in diesem Buch die Rede sein wird. +
  • Die Java 5 Enterprise Edition, +mit der verteilte, unternehmensweite Business-Applikationen entwickelt +werden können. Die sechste Generation der Enterprise Edition +ist für das dritte Quartal 2008 geplant. +
  • Die Java Micro Edition, für +kleine Geräte wie Mobiltelefone und PDAs. +
  • Die Java Card Edition bringt Java +schließlich auf Kreditkarten-großen Smartcards unter. +
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+Die offizielle Bezeichnung der aktuellen Java-Version ist also Java +6 Standard Edition. Sie besteht aus +den Teilen JDK (voller Name Java +6 Development Kit und JRE (voller +Name Java 6 Runtime Environment). Während das JDK alle +Werkzeuge zum Entwickeln von Java-Programmen enthält, +bezeichnet das JRE die Laufzeitumgebung (oder Virtuelle Maschine) +um Java-Programme auszuführen. Wir werden meist von Java 6 +oder der Java 6 Edition sprechen (weibliche Form (!)), insbesondere +wenn die aktuelle Version gemeint ist, mitunter aber auch den Begriff +JDK verwenden. Wenn nicht anders erwähnt, beziehen sich +alle Ausführungen in diesem Buch auf die Standard Edition.

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 Hinweis 
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 Titel  + Inhalt  + Suchen  + Index  + DOC  +Handbuch der Java-Programmierung, 5. Auflage, Addison +Wesley, Version 5.0.1 +
 <<  +  <   +  >   + >>  + API  +© 1998, 2007 Guido Krüger & Thomas +Stark, http://www.javabuch.de +
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